Samstag, 11. Februar 2017

"Shopping"-Erlebnisse


Das Konzept unseres diesjährigen Projektes sieht für den Nachmittagsbereich praktisch-handwerklich angelegte Workshops zu verschiedenen Themen vor. Die beiden von den deutschen Lehrern angebotenen Workshops beschäftigen sich mit möglichen Start-Up-Ideen als Einstiegsmöglichkeit in ein Leben in der Selbstständigkeit. Als konkrete Beispiele erarbeitet Frau Leiters mit Schülergruppen Marmeladen und Chutney Rezepte (in Ghana werden trotz des reichhaltigen Angebotes an Früchten quasi alle Marmeladen importiert) und Herr Albiez versucht mit einer Schülergruppe aus möglichst einfachen (zum Teil ausrangierten) Materialien und quasi ohne Werkzeuge eine durch ein Fahrrad angetriebene Waschmaschine zu bauen (in Ghana wird fast ausschließlich per Hand gewaschen).
Aus den kurzen Beschreibungen unserer Workshop-Projekte wird sofort deutlich, dass wir trotz aller Vereinfachungen, einen recht hohen Materialeinsatz haben. Diese Materialien müssen vor Ort besorgt werden! Aufgrund der im Prinzip fehlenden Baumarkt- und Supermarkt-nfrastruktur (zumindest hier etwas außerhalb der ghanaischen Metropolen wie Accra und Kumasi) müssen diese Materialien also auf Märkten und/oder kleinen “Tante-Emma”-Laeden organisiert werden.
Am gestrigen Donnerstag machten sich Frau Leiters und Herr Albiez also auf den Weg in Richtung Markt in Cape Coast (wohlbemerkt in der Mittagspause gegen 12 Uhr bei “lauen” 35 Grad Außentemperatur), um Früchte und weiteres Material für den Marmeladen-Workshop zu besorgen. Auf dem Weg zur “Früchte-Abteilung” hatten wir dann die Gelegenheit auch die Fleischabteilung des Marktes in Augenschein zu nehmen. Empfindsamen Zeitgenossen sei an dieser Stelle ein anderer Weg zu Mango und Co empfohlen, auch wenn dies einen Umweg nach sich zieht. Kurzversion: frisch geschlachtete, ausblutende Ziegen, Innereien, Köpfe, keine Kühlung, pralle Sonne, Fliegen, viele Menschen, Holzschlachtbank. Detailversion: FSK 18.
Die Fruchtstände unter einem Wellblechdach (man beachte oben genannte Temperatur und Zeitangabe): sehr eng, wieder viele Menschen, anstrengend. Aber: tolles super frisches, köstliches (aus deutscher Sichtweise exotisches) Obst (Äpfel sind hier als Import-Produkt eine teure Delikatesse). Im Rahmen der einheimischen Obstsorten sind Mangos (butterweich und aromatischer als Monsato-Sojabohnen) und Ananas (Prädikat: süss und säurefrei) hervorzuheben, die es nicht nur den Workshop-Teilnehmern für die Marmeladen-Produktion, sondern auch der deutschen Schülerschar für ihren Nachmittagssnack in besonderer Weise angetan haben.
Abschließend ein kurzer Einblick in die Arbeitseffizienz vor Ort: Die Organsiation eines gebrauchten Fahrrades, eines Wasserbehälters und zweier Keilriemen (ohne die Unterstützung von Kollege Guidion undenkbar) benötigte doch tatsächlich quasi einen ganzen (Schul-) Tag. Das lag nicht nur daran, dass besagte Materialien recht selten (warum auch immer) zu erstehen sind (→ sehr langes rumfragen und suchen) und an den zähen und langwirigen Verhandlungen an verschiedenen Einkaufs-Ständen (mit den entsprechenden Wegen von einem zum anderen und wieder zurück), sondern insbesondere daran, dass Kollege Guidion gefühlt alle 5 m Meter einen Einwohner von Cape Coast kannte, diesen seid längerem nicht gesehen hatte und folglich ein entsprechender Informationsaustausch stattfinden musste.
SA

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